Wie werde ich Arzt?
DES ÉTUDES DE MÉDECINE COMPARABLES
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„In den ersten beiden Jahren lernt man, wie es funktioniert, und danach, was man tut, wenn es kaputt geht.“ Lea, spricht nicht etwa von einer technischen Ausbildung, sondern vom ihrem Medizinstudium in Deutschland. Sechs Jahre dauert das Studium in Berlin, anschließend folgt eine vier- bis sechsjährige Facharztausbildung. Für Charlotte, Medizinstudentin in Rennes, ist das ganz ähnlich. Auch sie studierte zunächst sechs Jahre lang, um sich anschließend zu spezialisieren. „Ich werde Allgemeinmedizinerin, das dauert noch einmal drei Jahre, in denen ich im Krankenhaus arbeite. Andere Spezialisierungen brauchen vier oder fünf Jahre.“ In beiden Ländern sind die ersten zwei Jahre recht theorielastig, anschließend folgen mehr praktische Kurse sowie Praktika in verschiedenen Bereichen. In Frankreich ist dabei der Praxisanteil etwas höher.
Ein wesentlicher Unterschied bei der medizinischen Ausbildung liegt im Aufnahmeverfahren. In beiden Ländern ist das Medizinstudium sehr beliebt und die Anzahl der Bewerber übersteigt um ein vielfaches die Zahl der verfügbaren Plätze. In Deutschland erfolgt die Auswahl vor Beginn des Studiums. Die rund 40 000 Bewerber pro Jahr können über ein sehr gutes Abitur, Wartesemester oder besondere Qualifikationen versuchen, einen der knapp 9000 Studienplätze deutschlandweit zu ergattern. Dabei wird die Prozedur der zentralen Zulassungsstelle inzwischen durch ein Auswahlverfahren der Hochschulen ergänzt. Auf französischer Seite erfolgt die Auswahl erst nach dem ersten Studienjahr. Rund 50000 schreiben sich pro Jahr ins erste Semester ein, Voraussetzung ist lediglich die Hochschulreife. Nach zwei Semestern findet eine Prüfung statt. Die Ergebnisse werden auf einer landesweiten Liste erfasst, von der die besten 7500 einen Studienplatz für das zweite Jahr erhalten. Alle anderen müssen entweder das erste Jahr wiederholen und den „Concours“ ein zweites Mal versuchen, oder abbrechen. Dabei studieren im ersten Jahr Medizin künftige Hebammen, Apotheker und Zahnärzte gemeinsam, auch wenn sie seit 2010/11 leicht abgewandelte Prüfungen schreiben, während es in Deutschland für die einzel- nen Bereiche je eine eigenständige Ausbildung gibt.
MANGELNDE MOBILITÄT
Von den Zulassungsbedingungen einmal abgesehen sind die Medizinstudiengänge beiderseits des Rheins von Aufbau und Inhalten durchaus vergleichbar. EU-Richtlinien legen beispielsweise eine Mindestdauer des medizinischen Grundstudiums von sechs Jahren fest. Doch die Mobilität zwischen beiden Ländern ist noch nicht vollständig umgesetzt. Zwar gibt es in Frankreich wie in Deutschland Möglichkeiten wie das Erasmus-Programm, um ein Auslandssemester zu absolvieren, „aber die Anerkennung der im Ausland belegten Kurse ist nur teilweise möglich“, berichtet Charlotte, Lea stimmt ihr zu.
In beiden Ländern wurden in den vergangenen Jahren Reformen der Medizinstudiengänge in Gang gesetzt. Ziel ist es unter anderem, Theorie und Praxis noch enger zu verzahnen, wie es der Bologna-Prozess der EU erfordert. Auch die Allgemeinmedizin soll in beiden Ländern aufgewertet werden, um einem Ärztemangel in ländlichen Gegenden entgegenzuwirken.
