Zeitgenosse trifft Urgestein


vendredi 21 juillet 2017
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Anlässlich des 100. Todestages des Künstlers Auguste Rodin, trumpft das Musée Rodin mit einer eher unerwarteten Jubiläumsausstellung auf: Es lädt den deutschen zeitgenössischen Künstler Anselm Kiefer nach Paris ein. Die Begegnung "Kiefer-Rodin" betrachtet die Bildende Kunst in ihrem Entstehungsprozess und entdeckt so eine bisher verkannte Verwandtschaft zweier aus fremden Welten stammenden Künstlern.



© Musée Rodin

Es war Anselm Kiefer selbst, der Interesse für das Werk Rodins zeigte. Im Jahr 2013 besuchte Kiefer persönlich die Archive des Rodin Museums in Paris. Dort entdeckte er das Buch Cathédrales de France, in welchem Rodin auf rund 100 Zeichnungen und Aquarellen französische Kathedralen illustriert. Das von Kiefer geschaffene Gemälde hierzu ist mit Auguste Rodin: les Cathédrales de France betitelt und zeigt zwei gigantische, in die Höhe ragende Kiefer-Türme, halb bedeckt von einer aus Blei gearbeiteten Rauchwolke.

Es ist die Arbeit mit vielseitigen, für die Kunst sonst untypischen Materialien, die Kiefers Werk auf so eindrucksvolle Weise charakterisiert. Der Entstehungsprozess seiner Kunst ist von einem unendlichen Prozess des Experimentierens geprägt. Und genau diesen Prozess erkannte Kiefer auch in der Arbeit Rodins. "Ich mag seine Art, zu zerstören, zu überdenken, wiederzuverwenden, und den Rhythmus, den er damit kreiert. Er hatte diesen Rhythmus, der mir wichtig ist, ein Rhythmus, der vom Heute und Jetzt ins Unendliche geht", sagt Kiefer in einem Interview mit dem Musée Rodin.

Zwei imposante künstlerische Universen

Der gestalterische Entstehungsprozess als nicht endende, immer wieder aufgenommene Tätigkeit prägt das Werk beider Künstler. Sowohl Kiefer als auch Rodin geht es in ihrem Schaffen nicht um die Suche nach Vollendung und Perfektion, sondern um eine Suche nach der Wahrheit. Rodin betrachtete es als höchste Aufgabe des Künstlers, die innere Wahrheit von Objekten zu erkennen und darzustellen. Aus diesem Grund bearbeitete er bestimmte Formen und Darstellungen immer wieder aufs Neue. Und so heißt es in seinem posthum veröffentlichten künstlerischen Testament: "Der wahre Künstler drückt immer das aus, was er denkt, auch wenn er damit riskiert, alle etablierten Regeln zu brechen."

Die kreative Logik, der Geschmack an einer Vielfalt von Materialien und die Lust am Erforschen stellen wichtige Elemente der Wahlverwandtschaft beider Künstler dar, erklärt die Kuratorin Véronique Mattiussi in der Pressemitteilung zur Ausstellung. Dennoch bleiben sich beide Künstler auf formaler Ebene fremd und sollen auf dieser auch nicht einander angenähert werden. Aus diesem Grund werden die Werke in unterschiedlichen Sälen ausgestellt – so handelt die Ausstellung zwar von einer Begegnung, stellt jedoch keinen Dialog im engeren Sinne dar.

 Anselm Kiefer, Auguste Rodin: Les cathédrales de France 
© Anselm Kiefer, ph. Georges Poncet

Neues und Unbekanntes

Kiefer schuf für die Jubiläumsausstellung etwa vierzig neue, bisher unveröffentlichte Werke. Darunter sind viele Vitrinen zu finden, bestückt mit Gipsplastiken, Büchern und auch einigen seiner Aquarellzeichnungen von Kathedralen – dem Motiv, das Rodin so sehr faszinierte. Von Rodin sind viele eher unbekannte Werke zu sehen, die jedoch die Ähnlichkeit in Prozess und Technik zu den Arbeiten Kiefers verdeutlichen. Zum ersten Mal ist auch die imposante Plastik Absolution zu sehen, die vorher noch nie vor Publikum gezeigt wurde. Sie präsentiert eine von einem fließenden Umhang fast vollkommen bedeckte Figur, die sich zu einer anderen zum Kuss herab neigt.

Die Gemeinsamkeiten Auguste Rodins mit dem zeitgenössischen Künstler Anselm Kiefer machen die Zeitlosigkeit seines Lebenswerkes deutlich. Denn der Skulpteur des weltberühmten Denkers war ein Innovator – einer, der den Schritt in die Moderne wagte und bis heute die Kunst der Plastik und der Skulpturen prägt. Sein imposantes Schaffen stellt daher noch heute eine Herausforderung für die nachfolgenden Künstlergenerationen dar. Aus diesem Grund traf die Kuratorin auch diese auf den ersten Blick erstaunliche Künstlerwahl für die Jubiläumsausstellung. Denn wer sonst, wenn nicht Anselm Kiefer, könnte sich dem Giganten Rodin stellen?

Die Ausstellung "Kiefer-Rodin" kann noch bis zum 22. Oktober 2017 täglich (außer montags) von 10:00 bis 17:45 Uhr im Musée Rodin (77 rue de Varenne, 75007 Paris) besucht werden.

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