Jede Stimme zählt: Einblicke in einen französischen Wahlkampf von Stuttgart bis Budapest


vendredi 02 juin 2017
14
0
0
 
 

Die deutsch-französische Grünenpolitikerin Anna Deparnay-Grunenberg kandidiert bei den französischen Parlamentswahlen als Abgeordnete für die rund 150 000 in Mittel- und Osteuropa lebenden Auslandsfranzosen.



© flickr/magali

Am kommenden Sonntag, den 7. Juni, sind die in Deutschland lebenden Franzosen aufgerufen, zusammen mit den in Zentraleuropa und den Balkanstaaten ansässigen französischen Staatsbürgern den oder die Abgeordnete/n des 7. Auslandswahlkreises zu wählen.
 
Unter den insgesamt 15 Kandidaten ist auch Anna Deparnay-Grunenberg, die für die französischen Grünen antritt. Seit zwei Monaten führt die deutsch-französische Politikerin und gelernte Umweltingenieurin einen intensiven Wahlkampf, der sie quer durch Europa geführt hat: "Etwa 85% der Wähler in meinem Wahlkreis leben in Deutschland, also haben wir dort natürlich eine entsprechende Zahl von Veranstaltungen durchgeführt," so die 40-Jährige, die seit 15 Jahren in Stuttgart lebt.  "Aber auch außerhalb Deutschlands waren wir viel unterwegs, zum Beispiel für Hausbesuche bei den Auslandsfranzosen in Budapest, Prag oder Wien."
 
Deparnay-Grunenbergs potenzielle Wähler leben in einem Gebiet, das 16 europäische Länder umfasst, und damit flächenmäßig mehr als doppelt so groß ist wie die 566 anderen Wahlkreise Frankreichs zusammen. Von Norddeutschland bis Serbien werben die Grünenpolitikerin und ihre Gegenkandidaten um die Stimmen von rund 150 000 französischen Wahlberechtigten.  
 
Nicht nur die Dimensionen ihres Wahlkreises machen den Wahlkampf im Ausland zu einer besonderen Herausforderung. Um ihre potenziellen Wähler zu erreichen und von ihren politischen Programmen zu überzeugen sind die Kandidaten vor allem auf sich selbst und auf die Unterstützung lokaler Anhänger angewiesen.
Mangel an Information
"Die französischen Medien berichten kaum oder überhaupt nicht über uns, auch in der deutschen Presse kommen wir so gut wie nicht vor," kritisiert Deparnay-Grunenberg. Es gäbe keine Umfragewerte, Prognosen oder journalistische Analysen über die zur Wahl stehenden Kandidaten der Auslandswahlkreise.
 
Wer von mehr als einem Dutzend verschiedener Kandidaten Wahlkampfmaterial bekäme, aber darüber hinaus kaum etwas in der Presse über sie erfahre, könne sich leicht überfordert fühlen: "Es fehlt einfach die Berichterstattung über den Wahlkampf, um den Leuten zu helfen, sich in ihrer Entscheidung zu orientieren," sagt die Kandidatin. "Viele Auslandsfranzosen lesen täglich Le Monde oder den Figaro, und sind dadurch besser über den Wahlkampf innerhalb Frankreichs informiert als über ihren eigenen Wahlkreis hier im Ausland."
 
Angesichts der fehlenden öffentlichen Diskussion und Berichterstattung überraschte es sie daher kaum, dass die Wahlbeteiligung in den Auslandswahlkreisen bei den letzten Parlamentswahlen im Jahr 2012 nicht einmal 20% erreichte.
 
Für die Deutsch-Französin, die sich bereits seit 2014 als konsularische Delegierte für die französische Bevölkerung in Europa engagiert, bedeutet das im Jahr 2008 eingeführte Auslandswahlrecht eine wertvolle Möglichkeit, die Interessen und Belange der steigenden Zahl im Ausland wohnhafter Franzosen auch im Parlament vertreten zu wissen.
 
Die französischen Netzwerke und Institutionen, wie das Institut français oder die französischen Schulen, seien heutzutage wichtiger denn je. Einsparungen oder Kürzungen zugunsten anderer Projekte innerhalb Frankreichs könnten jedoch vor allem die dringend benötigte internationale Mobilität junger Franzosen einschränken, meint Grunenberg: "Es braucht daher Leute im Parlament, die sich in den Budgetgesprächen für die Auslandsfranzosen einsetzen."
Frischer Wind für die französische Politik
Doch nicht nur für die Auslandsfranzosen seien die Abgeordneten der außerhalb Frankreichs gelegenen Wahlbezirke ein Gewinn, meint Deparnay-Grunenberg. Ganz Frankreich könne von den Abgeordneten jenseits der Grenzen profitieren, da sie aufgrund ihrer Erfahrungen in einer anderen Kultur neue Perspektiven in die politische Debatte einbringen würden.
 
Durch ihre Arbeit als grüne Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Stadtrat, dem sie seit 2009 angehört, hat Deparnay-Grunenberg auch im politischen Bereich einen Einblick in alternative Arbeitsweisen und Ideen: "Jedem unserer Projekte im Stadtrat geht ein langer Dialog der Parteien voraus. Ich habe insgesamt den Eindruck, dass der Dialog zwischen den Parteien in Deutschland viel stärker ausgeprägt ist."
 
Auch wenn ihr das Programm von Emmanuel Macon ökologisch nicht weit genug geht, möchte sie als Abgeordnete dazu beitragen, dass die aktuelle Regierung erfolgreich ist. "Im Programm unseres neuen Präsidenten findet man in vielerlei Hinsicht die Bereitschaft, sich mehr in Richtung eines politischen Dialogs zu bewegen. Diese Kompetenz kann ich aufgrund meiner Arbeit im Ausland in das französische Parlament einbringen."  
 
Am Sonntag wird sich entscheiden, ob Deparnay-Grunenbergs Wahlkampfmarathon durch Europa Wirkung zeigt und sie in den zweiten Wahlgang einzieht, der wie auch in Frankreich am 18. Juni stattfindet.
 
Diese Wahlen werden kaum dasselbe internationale Interesse wie die Präsidentschaftswahlen erreichen. Trotzdem sei die Zusammenstellung der Nationalversammlung ein wichtiges Thema, sagt die Kandidatin. Schließlich entscheide deren Bilanz darüber, ob es in fünf Jahren zu einer ähnlichen Situation wie bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen komme, und dann vielleicht mit einem bedenklichen Ausgang.
 
 
Plus d'actualités
31/05/2017 | 10:01

Urban Europe - Conférence sur les villes européennes de demain

Une conférence autour de l'avenir des zones urbaines en Europe est organisée le vendredi 2 juin 2017 par le Mouvement Européen France et la Mairie de Paris.
Urban Europe - Conférence sur les villes européennes de demain
26/06/2017 | 15:32

Un nouvel élan pour l'Europe

Les dirigeants des « 27 » , réunis jeudi et vendredi à Bruxelles, ont manifesté leur volonté de faire avancer l'Europe à l'initiative du couple franco-allemand...
Un nouvel élan pour l'Europe
16/06/2017 | 12:08

« Urban Europe : quand la ville européenne de demain se construit »

La crise climatique, la construction européenne au travers des réseaux urbains, des nouvelles technologies pour adapter les besoins à venir : ces sujets ont été...
« Urban Europe : quand la ville européenne de demain se construit »
27/03/2017 | 17:50

Les États-Généraux de l'Europe

Le 18 mars, le Mouvement Européen-France, Europanova et les Eurocitoyens ont organisé à Lille la 6ème édition des Etats Généraux de l'Europe...
Les États-Généraux de l'Europe
10/10/2017 | 18:08

Paul de Sinety : éviter le nombrilisme

La langue française est l'invitée d'honneur de la Foire du livre qui se tient à Francfort du 11 au 15 octobre. Pour son commissaire général,...
Paul de Sinety : éviter le nombrilisme
Rédiger un commentaire
  
Nom *
Email *
Votre commentaire *
Recevez la newsletter
du franco-allemand et retrouvez
tous les mois l'actualité européenne
OK
Observatoire des pôles d'excellence

Coming soon : le premier observatoire digital des pôles d'excellence en Europe

Retrouvez nos magazines, des articles à l'unités et de nombreux cadeaux Parisberlin (livres, t-shirts, tasses etc...) dans notre boutique !
Bpifrance
© All Contents |  Contacts | Mentions légales
{POPUP_CONTENT}